GEGENWARTSLITERATUR 1240

Ich mobbe gern!

Wenn sich in einem süddeutschen Wirtschaftsministerium vier hohe Abteilungsleiter zusammen tun und unter dem Pseudonym "Vier" ein Sachbuch schreiben, kann es sich nur um eine Satire handeln!

Und in der Tat, wenn es bereits zu jedem Fürzchen ein Sachbuch gibt, warum soll es nicht endlich auch einmal eines geben zu jenem Thema, das uns jeden Tag beschäftigt. Wie mobbe ich richtig?

Grundgedanke der Vier ist es, eine Fibel über das miese Verhalten zusammenzustellen. Und die wichtigsten Strategien sind auch schon gleich aufgezählt

# Umarmungsstrategie

# Loyalitäten verletzen

# Ablenkungsmanöver

# Gerüchtediplomatie

# Solidarisierungsstrategie

# Spielregeln mißachten oder ändern

# Psychoterror

# Körpereinsatzstrategie

# Unterwerfungsstrategie

# Herabsetzung

Nicht nur so triviale Sätze, wie "ich habe nur drei Dinge" und dann an der Kassa vordrängeln, machen ein gutes Mobbing aus, auch in der Geschichte sind letztlich alle wichtigen Entscheidungen aus einem miesen Verhalten entstanden. Adam und Eva, die sich elegant mobben, Kleopatra, die ein Weltreich mit Umarmungsstrategie und Körpereinsatz sich unter den Nagel riß oder Luther, den man zuerst gemobbt hat und der dann zurückmobbte, indem er einfach die Spielregeln änderte.

Und aus der Gegenwart ist das Verhalten der Königin Elisabeth geradezu ein Lehrbeispiel für Mobbing, Sohn, Ehemann, Schwiegertochter, Royals und England in einem Atemzug zu mobben, das ist Weltklasse.

Die Fibel für kleine Schweinereien liest sich natürlich mit großer Schadenfreude, es ist eben ein Vergnügen, tabuisierte Alltagsrituale einmal knallhart vorgetragen zu bekommen. Und es läßt sich ja auch zwischendurch am schlechten Beispiel lernen, so daß im Umkehrschluß natürlich auch Maßstäbe für ein sogenanntes richtiges Verhalten abgeleitet werden können. Unter "to mob" meinen die Engländer nichts anderes, als jemanden mit kleinen Hinterhältigkeiten und Attacken zu entnerven. In guten Betrieben soll bis zu zwei Stunden am Tag gemobbt werden.

Ganz professionell endet das Buch mit zwei aufschlußreichen Tests. Im sogenannten A-Test kann man testen, ob man gemobbt wird, und unter welchen der zehn Sorten von miesen Attacken man eventuell zu leiden hat, auch wenn man es vielleicht gar nicht merkt, und im B-Test geht es darum, die eigenen Mobbing-Fähigkeiten abzutasten. Es gibt übrigens Verantwortungs- und Gesinnungsmobber, die ersteren denken sich was dabei, während die Gesinnungsmobber ihr garstiges Handwerk nur aus reinem Selbstzweck ausüben und schon fast ein Fall für eine sadistische Therapie sind.

Das Buch der "Vier" beweist jedenfalls, daß auch in einem Amt lustige Menschen arbeiten können und daß Humor die erste Waffe gegen Alltagsschweinereien oder den Alltag überhaupt ist.

Alexander Vier: Ich mobbe gern! Die 10 ultimativen Strategien für mehr Lebensglück.

Frankfurt/M: Eichborn 2003. 197 Seiten. 14,90.

ISBN 3-8218-3985-6

Alexander Vier ist das Pseudonym von vier Autoren, die als leitende Angestellte in einem Wirtschaftministerium im süddeutschen Raum beschäftigt sind.

Helmuth Schönauer 16/02/03