Ich mache Karriere

"Kommunikation besteht aus Inhalt (7%), Stimme (38%), Mimik und Gestik bzw. Körpersprache (55%)." (S.66). Was hier wie die Zutaten zu einem Kochbuch aufgezählt wird, zeigt deutlich die obersten Richtlinien des Buches: Kompetenz, Verhaltenheit, Seriosität. Man hätte die Kommunikation auch mit einem Ei und den Elementen Schale, Dotter, Eiweiß vergleichen können, denn ein paar Schritte weiter heißt es ja, daß man plastisch argumentieren soll, in Fußballfeldern etwa statt in Quadratmetern.

Schon die zarte Schrift, die blau unterlegten Merksätze und seitlichen Leitbalken in unterschiedlicher Heftigkeit weisen darauf hin, daß das Buch auch eine Art Handbuch sein soll, das man in mehreren Schichten erarbeitet und in dem man fallweise etwas nach schlägt. So sind wohl auch die ausführlichen Check-Listen zu verstehen, die taxativ eine möglichst weite Sicht einer Aufgabenstellung behandeln und manchmal am Prinzip der Reduktion auf das Wesentliche vorbei gehen.

Und noch einen Generaleindruck könnte man hier anführen, das Buch ist im Zweifelsfalle zu brav. Entweder glaubt man, daß Karriere in Anpassung besteht, was in vielen Bereichen ja sein wird, oder die Botschaft lautet, daß sich Kreativität und Karriere ausschließen, was ja auch ein weit verbreiteter Eindruck ist.

- Das Buch beginnt mit einer Überlegung zum eigenen Leben und der Frage, wohin soll es gehen.? Hier wird vor allem vor einem zwanghaften Optimismus der Happy-peppy-Art gewarnt.

- Manager in eigener Sache kümmert sich um Ziele formulieren, Zeitmanagement und Streßfaktoren.

- Das Kapitel Erfolgreich kommunizieren ist eine straff organisierte Zusammenfassung der wichtigsten Regeln.

- Karrierechance Weiterbildung zählt die wichtigsten Weiterbildungsschienen auf und warnt etwa vor Schnäppchen aus dem Kaufhaus.

- Bleiben oder wechseln bricht eine Lanze für die Mobilität, im Zweifelsfalle wechseln heißt die schöne Botschaft und drückt implizit die schöne Wahrheit aus, daß der Arbeitsplatz immer dem Menschen den Stempel aufdrückt und nur selten umgekehrt.

- Erfolgreich bewerben wird eher allgemein und papieren dargestellt.

- Oben bleiben, die ersten hundert Tage gibt einige Strategien bekannt, wie man durchhalten kann.

- Musterbriefe und Lebenslauf geben recht konventionelle Anhaltspunkte für praktische Bewerbungen.

Das Karriere-Buch richtet sich an eine breite Schicht von eher gutgläubigen Menschen, denen mit guter Gliederung und festen Handreichungen tatsächlich weitergeholfen werden kann.

Manch kompliziert Zusammenhänge werden verblüffend einfach und klar dargeboten, etwa die vier Fragen-Typen im Gespräch (geschlossene /offene / kritische /emphatische Frage;

S.71).

Auch so manches Zitat aus der Dichterküche bleibt dem Leser freiwillig in Erinnerung. "Manieren sind wie die Null beim Rechnen: Für sich allein sind sie nicht viel, aber sie erhöhen den Wert aller Dinge. Norman Mailer" (S.211)

Nicht zu vergessen auch die beiden Gesetzestafeln im Innencover des Umschlages, vorne die zehn Tugenden, die die Karriere vorantreiben, hinten zehn Untugenden, die die Karriere behindern.

Das Buch soll man lesen wie ein Handbuch zur Führerscheinprüfung, also nie fragen, warum hat dieser oder jener Vorrang, sondern einfach befolgen, weil es sonst Crash gibt. So funktioniert die Welt nämlich in der Hauptsache, in der Realität. Und dieses Buch hat mit der Realität von Karriereplanung zu tun.

Anja Schubert: Ich mache Karriere! Die sieben Meilensteine auf dem Weg nach oben.

München: Markt+Technik Verlag 2001. 223 Seiten. 15,92.

ISBN 3-8272-6164-3

Helmuth Schönauer 12/02/02