Schrott & Korn

Winnifred Schrott und Bartholomäus Korn sind zwei dermaßen ungewöhnliche Typen, daß man eine eigene Literaturgattung erfinden muß, um sie irgendwie in den Griff zu bekommen. Die beiden Autoren Manfred Schild und Thomas Gassner haben deshalb das sogenannte "sunny-side up" kreiert. Was es genau bedeuten soll, bleibt dem Leser überlassen, aber der Begriff vermittelt jedenfalls etwas Skurril-Positives.

Schrott und Korn sind zwei Helden voller Schwerkraft, Schrott plagt sich etwa mit 103 Kilo durch die Gegend und stößt daher im Lebensdrang oft auf unerwartete Barrieren, aber zum Glück hat er immer seine Hilti dabei, mit der sich Sinnlöcher und andere Befreiungsbohrungen an Ort und Stelle zur allgemeinen Entlastung durchführen lassen.

Im ersten Teil des sonnigen Abenteuerromans wird als Oberhammer eine Erlösungsgeschichte a la Oberammergau inszeniert. Die Figuren aus der Heilsgeschichte sind leicht verstört und müssen durch eine straffe Inszenierung ins richtige Licht gesetzt werden. Wo liegen die Grenzen der Erlösung, wo versagt die Inszenierung von Heil, lauten die Fragen, die sich Schrott und Korn immer wieder stellen.

Im zweiten Teil geht es auf zum Mittelpunkt Europas, der für einen Mitteleuropäer unvorstellbar tatsächlich in Litauen liegt.

Die Abenteurer landen punktgenau auf dem Obelisken, der den Nabel Europas darstellt, aber dieser Nabel in Litauen muß ziemlich lustunempfindlich sein, denn es geschieht absolut nichts. Schrott und Korn entdecken das Land, erweisen der Hauptstadt Vilnius ihre Referenz mit leichter Illumination und ziehen schließlich zur alten Burg Trakai, die mitten im Gewässer eine historische Inszenierung der hölzernen Art darstellt.

Die beiden Regisseure und Autoren Manfred Schild und Thomas Gassner haben diesen Prosatext in Litauen geschrieben anläßlich einer theaterdienstlichen Mission am geographischen Mittelpunkt Europas. Die Arbeitsweise im Duett sollte dabei auch als äußere Vorlage für die innere Arbeit der Heroen dienen. Der Text stellt einen geglückten Versuch dar, Abenteuer, Heilsgeschichte, Theater und historische Inszenierung unter einen lustigen Hut zu kriegen. Die Figuren arbeiten salopp im Trash-Dialog, benützen teilweise eine äußerst persönliche Sprache bis hin zur Geheimsprache. Und wo die übliche Sprache versagt, wird sie eben mit neuen Wortschöpfungen so lange erfunden, bis es paßt. So einfach und logisch kann es in der Literatur zugehen, wenn das Grundkonzept stimmt. Und das Grundkonzept lautet: Wenn die Sonne von hinten scheint, wird es vorne hell. Daher überstrahlt der Optimismus von Schrott & Korn alles, was sich an Schwerkraft und Düsternis in den Weg stellen könnte. Schließlich ist der "Roman" auch ein geglückter Versuch, die literarische Osterweiterung mit Ironie und Abenteuerpathos voranzutreiben.

Manfred Schild / Thomas Gassner: Schrott & Korn. / - sunny-side up -. Prosa.

Innsbruck: skarabaeus 2002. 238 Seiten. 19,-.

ISBN 3-70066-2263-7

Manfred Schild, geb. 1968, und Thomas Gassner, geb. 1969, leben in Innsbruck.

Helmuth Schönauer 08/03/02