Die Kellnerin Anni

Die Kellnerin Anni altert in drei Akten, aber es verändert sich nichts, sie altert, während sie auf der Stelle tritt. Die drei Akte sind auch als drei Einzelstücke aufzuführen, wie überhaupt das Theaterstück auch ein lustiges Lesestück mit innerem Monolog ist, und eine CD-Fassung mit dem Vortrag des Autors setzt Humor feinster Klasse frei.

Im ersten Akt wischt und putzt sich Anni durch den Alltag, umgeben von starken Sprüchen und seltsamen Männern, die ihr allerhand Angebote machen. Denn nirgendwo sind Männer so schwach wie vor der Pudel, hinter der eine Kellnerin werkt. Allerdings wird auch Anni zwischendurch schwach und von den Liebhabern hineingelegt, viel Liebe hat eben ihren Preis, es kommt zu Zahlungsverzögerungen und am Schluß ist der Liebhaber weg und die Schulden sind da.

Der zweite Akt zeigt Anni auf einer mißglückten Fahrt in den Süden, das Leben wird mit zunehmendem Alter hektischer, nicht nur die Zigarettenzüge werden hastiger, auch die Zigarettenpausen häufen sich, bis sie am Schluß nahtlos ineinander übergehen. Anni erlebt eine Schiffstaufe Marke "Biene Maja" als hormonelle Katastrophe, während ein Busunglück mit anschließendem Spitalsaufenthalt geradezu als angenehme Ablenkung empfunden wird.

Das neue Glück schließlich wird um nichts besser als das bisherige, Anni ist wieder ein Stück älter und reifer geworden, aber ihre Liebhaber bleiben ewig jung und dumm.

Herbert Rosendorfer bringt eine Figur auf die Bühne, wie wir sie in der Alltagswelt immer wieder erleben, pfiffig, schlau und dennoch zu blöd für das Leben. Die Kellnerin Anni bewältigt ihre Arbeitswelt, indem sie klug in die falsche Richtung träumt. Sie erwartet sich alles von der Vergangenheit und ist dadurch fit für die Zukunft. So dumm können ihre Geschichten gar nicht ausgehen, daß sie nicht doch das bessere Ende für sich herausgezogen hätte. Gerade weil oft die Trivialität und der plumpe Umgang mit dem Alltag durchschlägt, kommt Anni schließlich ziemlich ungeschoren davon. Und auch der Humor setzt sich letzten Endes durch, wiewohl er von Herbert Rosendorfer zwischendurch arg geschunden wird und fallweise vor Trivialität quietscht.

Herbert Rosendorfer: Die Kellnerin Anni. München: Nymphenburger 2002. 128 Seiten. 14,90. ISBN 3-485-00903-2

Herbert Rosendorfer, geb. 1934 in Bozen, lebt bei Bozen.

Helmuth Schönauer 07/03/02