Zigeuner sein

Literatur ist manchmal die einzige Möglichkeit, um etwas Verstocktes in Auflösung zu bringen. Verstockt könnte man jenen Zustand nennen, der in manchen Teilen der Gesellschaft den sogenannten "Zigeunern" entgegengebracht wird, um die Vorurteil einmal vorsichtig zu formulieren. Im Rahmen eines Projektes mit Schülern hat die Autorin Heideline Prüger versucht, Literatur als Medium der Aufklärung konkret zu benützen. Der Titel "Zigeuner sein" wurde deshalb gewählt, weil der Begriff Zigeuner von der Abschätzigen Handbewegung bis zur romantischen Verklärung in der Operette verwendet wird. Das Projekt hat vereinfacht gesagt drei literarische oder literaturdidaktische Ansätze. - Einmal soll der didaktische Rahmen eines Projektunterrichtes dazu verwendet werden, um am Beispiel der Kultur der Roma Modelle des Kulturtransfers zu entwerfen. - Zweitens soll am Beispiel der Zeitzeugin und Kulturvermittlerin Ceija Stojka Literatur in authentischer Form erfahren werden. - Und drittens sollen die Schüler durch aktiv produzierte Literatur ihren Umgang mit anderen Kulturen dokumentieren. Einmal abgesehen davon, daß ein Projekt immer einmalig und einzigartig ist, stellt diese literarische Dokumentation auch für Nur-Leser eine willkommene Aufbereitung des Themas und Hinführung zur Literatur dar. Denn über den konkreten Fall hinaus geht es auch darum, wie Literatur mit dem Nicht-Genormten, dem Eigenständigen, dem Authentischen einer Kultur in Diskussion tritt. Die Aufsätze der SchülerInnen sind ein aufrüttelnder Appell, Vorurteilen mit Aufklärung und Geduld zu begegnen. Die SchülerInnen haben es begriffen, worum es geht, jetzt müßte es eigentlich auch die Gesellschaft begreifen, denn diese Projektteilnehmer tragen ja eines Tages das große Projekt Gemeinwesen in Echtzeit mit.

Heidelinde Prüger: Zigeuner sein. Klagenfurt: Hermagoras 2001. 112 Seiten. 10,00. ISBN 3-85013-814-3

Heidelinde Prüger leitete das Projekt zur Volksgruppe der Roma.

Helmuth Schönauer 31/12/01