Gaismair

Seit über zwanzig Jahren hat angeblich Felix Mitterer den Tiroler Volksschauspielen dieses Gaismair-Stück versprochen, und es ist tatsächlich bei der Uraufführung schon zwanzig Jahre alt. Das Stück läßt sich dankenswerterweise durch die Initiativen des Haymon-Verlages jetzt nachlesen, der Verlagsleiter Michael Forcher ist einer der besten Gaismair-Kenner. Allein schon wegen des Abrisses zum historischen Hintergrund Gaismairs, sollte man sich mit diesem Buch befassen. Auch Felix Mitterer ist darin in seiner Notiz sehr realistisch, indem er anläßlich einer Reise zu den historischen Schauplätzen durchblicken läßt, daß sich ein Gaismair-Stück kaum realisieren läßt. Wenn man davon ausgeht, daß Michael Gaismair nichts hergibt für ein historisches Stück, so hat Felix Mitterer doch noch allerhand für den Bühnenabend bewerkstelligt. Das Figuren-Set ist wie bei Mitterer üblich sauber getrennt in die Guten und die Bösen, in diesem Fall sind die Bauern die Guten und die Herren die Bösen. Wenn sich zwischen den Ständen zuwenig abspielt, tritt immer Gaismair auf, um die Sache voranzutreiben. Im entscheidenden Augenblick wechselt er vom Sekretär des Fürsten zum Bauernführer. Er träumt davon, daß es so etwas wie den koalitionsfreien Raum gibt, daß man sich zwischen den Verhältnissen hindurch dienen könnte. Aber die Realität besteht nun einmal aus den Messern einer Schere, die jeden zerschneiden, der ihnen dazwischenkommt. Als ob diese Kraft des Faktischen für die Bühne noch zuwenig wäre, ist dem zaudernden Gaismair eine hochmotivierte Frau beigesellt, die zwar ständig schwanger sein und im Zwielicht der Bühne ein paarmal niederkommen muß, sonst aber den klaren Blick der Bauernseite hat und Gaismair im Bedarfsfalle zu politischen Handlungen anspornt. Viel dramaturgischer Klimbim verkitscht die an und für sich genügend dramatische Handlung. Immer wieder muß Karten gespielt werden, Tanzeinlagen und Fechtszenen stehen auf der Tagesordnung. Als dramaturgischer Deus ex Machina taucht immer der schwarze Reiter auf, der Schwurfinger abschlägt oder auch mal einen falschen Kopf. Wenn man das Stück als Klamauk anlegt, kommt man immerhin in großartige Bereiche des Schmunzelns.

Felix Mitterer: Gaismair. Ein Theaterstück und sein historischer Hintergrund. Innsbruck: Haymon 2001. 127 Seiten. 198,- ATS. 14,38. ISBN 3-85218-365-0

Felix Mitterer, geb. 1948 in Achenkirch, lebt in Irland.

Helmuth Schönauer 24/07/01