TIROLER GEGENWARTSLITERATUR (610)

Almasy

Ein österreichischer Produktmanager wird nach Ägypten geschickt, um einem wüstentauglichen Geländewagen namens Almasy zum Durchbruch zu verhelfen.

Gute Romane haben immer auch einen eisenharten Plot. Und Walter Grond, einer der wenigen praktischen Theoretiker des österreichischen Romans, verwendet diesen Erzählkern mit großem Elan, um darum herum eine richtig geladene Erzählspule mit historischen, amourösen und investigativen Elementen zu wickeln.

Almasy ist vorerst ein Markenbegriff, der erst zur vollen Realität aus-designed werden muß. Aber er hat einen sympathischen Klang, ist international verwendbar und lebt von seiner historisch leicht mythisch angeschimmelten Konsistenz. Immerhin gilt der österreichisch-ungarische Wüstenexperte Almasy als Berater bei Rommels sogenannten Wüsten-Feldzügen des Dritten reichs. Zudem ist Almasy eine Filmfigur, die unter dem Label "Der englische Patient" weltweit eingeführt ist.

Auf diesen Ebenen läßt es sich herrlich erzählen, historisch penibel, romantisch, transkontinantal und interkulturell. Walter Grond erzählt wie ein Mehrfachgetriebe einer wüstengängigen Geschichte, und oft schaltet er so behutsam zwischen den einzelnen Ebenen hin und her, daß man schon längst entführt ist, ehe man glaubt, an einer Schnittstelle scheinbar die Abzweigung verpaßt zu haben.

Dieser Freilauf für den Leser, macht die Erzählmethode Gronds äußerst sympathisch. Und sowohl die Liebhaber handfester Geschichten als auch die interlinearen Kontext-Springer kommen voll auf ihre Rechnung.

Selbstverständlich liest jemand im Roman Almasy einen Almasy, dieses Augenzwinkern mit den Bezugssystemen ist ja seit Max Frischs Homo faber, der im rororo-Format einen rororo-Roman liest, sozusagen der Edeltrüffel unter den Referenzzitaten.

Erst irgendwo im letzten Drittel wird klar, daß es in diesem Roman auch um eine Geschichte der Kulturen geht. Die Protagonisten haben eine Verkabelung untereinander gefunden, die einen heftigen Daten- und Kulturaustausch ermöglicht.

Walter Grond: Almasy. Roman.

Innsbruck: Haymon 2002. 317 Seiten. 22,-.

ISBN 3-85218-394-4

Walter Grond, geb. 1957, lebt in Aggsbach Dorf/Wachau.

Helmuth Schönauer 21/08/02