Geht nicht - Geht nicht!

Die Ausrede, "geht nicht", gilt nicht. Das ist schon einmal eine ermunternde Botschaft für das Managen von Veränderungen. Veränderungen sind einerseits etwas vom Natürlichsten der Welt und andererseits etwas vom Aufregendsten.

Oft kommen in der Praxis jedoch aus heiterm Himmel Beratungstypen in den Betrieb, wirbeln alles gehörig durcheinander und verschwinden wieder. Die Situation gleicht dann einem aufgewühlten Biotop, wo vor allem das Wasser trüb geworden ist und sich die Lebeswesen geduckt zu retten versucht haben. Und diese Angst ist auch verständlich, wenn man bedenkt, daß Krisen-Interventionen zu 80 % aus Personalreduzierungen bestehen, lediglich 15 % auf neue Markterschließungen und bloß 5 % auf neue Dienstleistungen oder Produkte entfallen. (S. 91)

So eine Veränderungsberatung ist natürlich abzulehnen. Gutes Management besinnt sich auf die einfachen, elementaren Matrixen der Veränderrung.

A) Alles fließt.

B) Gegensätze ziehen sich an.

C) Auf jede Pendelbewegung folgt eine konträre Pendelbewegung.

Daraus ergeben sich auch positiv zu nützende Spannungen zwischen plus - minus, männlich - weiblich, jung - alt usf.

Die Autoren haben das Buch in einen theoretischen Teil und eine Sammlung von Interviews mit Praktikern unterteilt.

Das Hauptkapitel beschäftigt sich mit den zehn Schritten erfolgreicherVeränderung.

1. Verunsicherung

2. Kollektives Problembewußtsein verstärken

3. Führungskoalitionen bilden

4. Visionen und Ziele: Voraussetzungen für den Wandel

5. Visionen des Wandels an die Mitarbeiter kommunizieren

6. Projektmanagement vorsehen

7. Empowerment aller Mitarbeiter

8. Kurzfristige Erfolge einplanen

9. Verankerung in der Unternehmenskultur

10. Feedback-Schleifen vorsehen

Die einzelnen Schritte sind logisch miteinander verknüpft, anhand eines jeden Schrittes wird ein Baustein der Unternehmenskultur vorgestellt, etwa wenn es um die Installation eines Leitbildes geht, um interne Kommunikation oder um das Verhältnis von Produkt, Marketing und Markt. Diese Zusammenhänge werden unter dem Aspekt möglicher Fehlentwicklungen am Beispiel Pferd, Aufzäumen, Rennen dargestellt. Im worst case wird ein totes Pferd in der Mitte aufgezäumt und es findet kein Rennen statt.

Gleichsam ergänzt, korrigiert und dem Echtheitstest unterzogen werden diese Thesen schließlich in Interviews mit Unternehmern, die Veränderungen durchgeführt haben, dabei ab und zu auch Fehler gemacht haben und nicht immer zum Ziel gelangt wird. Alle diese Interviews bestärken den Leser aber, daß Veränderungen machbar sind, ja geradezu gemacht weden müssen, nach dem Leitsatz: "Wenn Sie etwas in einem Jahr genaus so machen wir heute, haben sie etwas falsch gemacht!"

Christian Freilinger / Johannes Fischer: Geht nicht - Geht nicht! Veränderungen erfolgreich managen. Aus der Praxis - für die Unternehmenspraxis.

Linz: Universitätsverlag Rudolf Trauner 2001. 280 Seiten. 36,50. ISBN 3-85487-177-5

Christian Freilinger, geb. 1938 in Linz, Geschäftsführer der kybernetica, Gesellschaft für Unternehmensentwicklung in Leonding. Johannes Fischer, geb, 1946 in Hof / Saale, Professor für Organisationapsychologie an der FH Darmstadt / Dieburg.

Helmuth Schönauer 23/06/02