Respekt

Privatdetektive sind überall auf der Welt so etwas wie Sonderbotschafter zwischen dem Reich der Ordnung und dem Reich des Verbrechens. Pine Pentecoste hat seinen Detektiv-Sitz in Neapel und wird zwischendurch gerne als Vermittler für heikle Aufgaben angeheuert. Der aktuelle Fall deutet auf den ersten Blick sehr auf eine Standard-Abwicklung hin, Pino soll bloß bei guter Gage einen LKW ein Stück weit überstellen. Aber gerade das Einfache löst bei einem guten Detektiv immer die größten Alarmschaltunegn im Kopf aus. Tatsächlich ist eine große Intrige verschiedener Verbrechensgruppierungen im Laufen, ein Rennpferd ist gestohlen und verschachert, der Lenker des LKW ist erschossen worden. Und ein Pfarrer versucht, das Ärgste zu verhindern, indem er bei Pino spontan eine Haussegnung durchfürhrt. Am Ende gibt es einen großen Kuddelmuddel, eine Handgranate geht nicht los, so daß Pino überlebt, nach vierundzwanzig Stunden ist alles vorbei. "Respekt" ist ein Krimi, der bald einmal aus dem Genre springt und einen intensiven Tag eines durchschnittlichen Freischaffenden in der sozial hoch verdichteten Stadt Neapel zeigt. Dabei gilt es, eine Überlebensstratgie über den Tag hinaus zu verfolgen, auch wenn wie im Fall der blind-gängerischen Granate auch nur pures Glück dabei ist. Andererseits müssen auch Seitenschiffe der Menschlichkeit betreut werden, Pino entschuldigt sich bei einer gekränkten Geschäftsfrau, die wegen seiner lasziven Statements fast schon den Lebensmut verloren hat. In einem kleinen Anhang weist der sizilianische Krimi-Guru Andrea Camilleri auf die Besonderheit von "Respekt" hin, die Geschichte spielt ununterbrochen im Büro, selbst die geplante Exekution findet dort statt. Wie in der guten klassischen Tragödie gibt es die Einheit von Ort und Zeit, und eine ungeheuere Verdichtung der Probleme auf kurze Sequenzen. Auch in die Erzählweise wird immer wieder verdichtet und aufs Neue aufgerollt. Kurz vor dem Ende gibt es gar noch einen fast wissenschaftlichen Summary des Kriminalfalls, damit der Leser ja nicht unvorbereitet in die letzte Runde geht. Das Abenteuer des Erzählens ist bei Giuseppe Ferrandino mindestens so aufregend wie der erzählte Fall.

Giuseppe Ferrandino: Respekt oder Pino Pentecoste gegen die Maulhelden. [Roman]. A.d.Ital. von Max Looser. Frankfurt/M: Suhrkamp 2001. 139 Seiten. 248,- ATS. 18,30. ISBN 3-518-41285-X

Giuseppe Ferrandino, geb. 1958 auf Ischia, lebt in Rom.

Helmuth Schönauer 25/11/01