Kater und Katzenjammer

Ein für den Leser unvergeßlicher Privatdetektiv muß ein paar irrwitzige Eigenheiten haben, die der Leser auch gerne hätte, wenn er einmal Privatdetektiv sein müßte. Diese freiwillig ausgesuchten Dellen stellen meist auf kürzestem Weg eine freundschaftliche Beziehung zwischen dem Helden und dem Leser her. Der Privatdetektiv Heredia wirkt und werkt in der chilenischen Hauptstadt Santiago, hat einen Kater und ständigen Katzenjammer. Insofern ist der Titel des aktuellen Buches als Lebensprogramm des Detektivs zu verstehen. Aber Heredia ist außerdem belesen und hat neben dem alltäglichen Schmierenkram, durch den er sich durchschlängeln muß, noch immer einen Blick für das Wesentliche, für die große Schweinerei sozusagen. Die große Crux des melancholischen Aufklärers besteht immer darin, daß niemand etwas von ihm, seiner Arbeit und seiner Enthüllung wissen will. Er macht reinen Tisch, wo alle noch tafeln und sich ihren Happen vom Verbrechen herunterschneiden. So etwas führt zur Vereinsamung, denn es stellt sich nicht nur die Frage nach dem Sinn des Genres sondern auch nach dem Sinn des Lebens. Was lohnt es sich noch, Widerstand zu leisten und zu kämpfen, wenn alles dezidiert für die Wäsche ist. Im aktuellen Fall wird eine Leiche an die Tagesoberfläche eines Hotels gespült, in dem Heredia kurzfristig abgestiegen ist. In der Folge wird er selbst als Verdächtiger gehandelt, so daß er schon aus Eigeninteresse am Fall dran bleibt. Aber bald ereilt ihn sein aufklärendes Antischicksal, eine große Schweinerei beim Bau der argentinisch-chilenischen Gasleitung ist am Köcheln, alle haben ihre Finger drin, und die Leitung leckt vor Korruption. Aber alles ist für die Katz, so daß letztlich nur noch ein Umtrunk für einen gewaltigen Kater bleibt. Ramón Díaz Eterovics Krimis sind voller Verspieltheit mit dem Nonsens des Daseins, der Sinn liegt zwischen den Zeilen, weshalb dort auch immer literarische Zitate und andere Erkenntnisse versteckt sind, sehr zur Freude des Lesers.

Ramón Díaz Eterovic: Kater und Katzenjammer. Ein Fall für Heredia. Roman. A.d. chilen. Span. von Maralde Meyer-Minnemann. Zürich: Diogenes 2001. 337 Seiten. 19,90.

ISBN 3-257-06285-0

Ramón Díaz Eterovic, geb. 1956 in Punta Arenas, lebt in Santiago de Chile.

Helmuth Schönauer 03/01/02