Die Lyrik Georg Trakls

Wer einmal mit dem Schi des Daseins auf die Spuren der Lyrik gestoßen ist, wird diese Loipe nicht mehr so schnell verlassen. Und der große Sir der Literaturszene, der beim Loipen durch die Lyrik hilft, ist der Innsbrucker Professor Alfred Doppler. Seinen Aufsatzsammlung über Georg Trakl ist aus mehreren Gründen empfehlenswert. - Einmal zeigt Alfred Doppler, was man alles in Gedichte hinein interpretieren kann, jede Zeit erkennt man an ihrer sogenannten Deutung der Gedichte. Interpretationen sind ein unbestechlich scharfer Spiegel jeder Gesellschaft. - Zum Zweiten gibt es einen eleganten Überblick über die wichtigsten Gedichte Georg Trakls, hier moderiert Alfred Doppler in seiner unnachahmlich zurückhaltenden Art fast unsichtbar, die Gedichte stellen sich quasi wie von selbst vor und die begleitende Information drängt sich nie in den Vordergrund. - Und drittens ist es interessant, einen Literaturdidaktiker im Original zu lesen, der einen ganzen Landstrich und eine ganze Epoche an Deutschlehrern ausgebildet hat. Wo immer man im Westen Österreichs auf einen Deutschlehrer stößt, wird man die Spuren des Professors feststellen können. Und manche Beobachter der Szene geben durchaus zu, daß der Deutschunterricht an den Schulen insgesamt besser, das heißt aufgeklärt-realistischer geworden ist. Je nach lyrischer Laune des Lesers kann dieses Fachbuch mit verschieden tief eingestellten Sensoren durchpflügt werden. Von der meditativen Art, die Grenzen der Sprache und den Umgang mit dieser Grenze zu erfahren bis zu einem fast schon masochistischen Germanistenfeeling mit anschließender Selbstprüfung läßt dieses noble Buch alle Verhaltensweisen zu.

Alfred Doppler: Die Lyrik Georg Trakls. Beiträge zur poetischen Verfahrensweise und zur Wirkungsgeschichte. Salzburg: Otto Müller Verlag 2001. 198 Seiten. 25,00. ISBN 3-7013-1038-6

Alfred Doppler, geb. 1921, ist emeritierter Professor in Innsbruck.

Helmuth Schönauer 06/01/02